Chile – Ein kleines Experiment – Intro

Das Experiment – 2011

Man nehme einen festen Stoff von 48 kg, gebe diesen in ein großes Reagenzglas von ca. 4.300 km x durchschnittlichen 180 km und lasse ihn durch den starken Wind Patagoniens in 6 Wochen mit den verschiedensten Elementen wie Regen, Sonne, intensiven Eindrücken und fremden Kulturen vermischen und beobachte was passiert…

Wie kommt jemand wie ich – ängstlich, penibel, anspruchsvoll, von Zeit zu Zeit leicht zögernd, immer Keime abwehrend und meist jedem Risiko aus dem Weg gehend – auf die Idee eine derartige Reise zu planen und komplett allein zu unternehmen? Das ist doch verrückt! Das ist doch Wahnsinn und obendrein gefährlich!

Ja, genau das ist es. Aber von Zeit zu Zeit muss es einfach sein. Von Zeit zu Zeit mache ich auch mal Dinge, die nicht rational sind, sondern eher einem Glücksspiel gleichen. Einfach mal machen und schauen, was man dabei gewinnt. Vielleicht verliert man im ersten Moment auch, aber am Ende gibt es immer einen Gewinn aus jeder noch so gewagten Aktion. Etwas das einen stärkt und in anderen schwierigen Momenten helfen kann. Alles was passiert hat seinen Sinn. Alles ist für irgendetwas gut und manchmal kann es auch das Leben komplett verändern.

In meinem Leben lief nicht immer alles glatt. Es gab immer wieder – wie bei jedem anderen auch – Höhen und Tiefen. Aber einmal gab es ein ganzes Jahr lang viele Monate hintereinander nur noch Tiefen. Ein unablässiger Strudel aus schlechten Ereignissen riss mich nach unten und ich drohte darin unterzugehen. Ich versuchte mich mit aller Macht daraus zu befreien. Manchmal war ich kurz vor dem Aufgeben. Mit viel Kraft und Hilfe, gelang es mir nach langer Zeit dort herauszukommen. Ich sah wieder die Farben um mich herum, ich liebte die Wärme der Sonne, roch den Duft der Natur und spürte, wie das Leben mich mit ganzer Kraft durchströmte. Ich kehrte zurück.

Nun wollte ich wissen, bin ich aus diesem ganzen Schlamassel gestärkt heraus gekommen? Kann ich mich wieder auf mich selbst verlassen? In der schwarzen Zeit sind nur meine schwachen Seiten präsent gewesen. Jetzt wo die Sonne wieder scheint, was kann ich da aus meinem Innersten ans Licht hervorlocken und wo wird mich das ganze hinführen? Das klang wie ein Experiment. Und für solche spannenden Sachen bin ich immer zu haben!

Der Katalysator zu diesem Experiment war eine gute Freundin, die mir einen Reiseführer über Chile gab. Sie wollte sehr gern mit jemanden dorthin reisen, der etwas Spanisch spricht. Von Chile wusste ich bis dato nicht viel. Ich wäre nie auf die Idee gekommen dort überhaupt hin zu reisen. Da standen ganz andere Ziele auf meiner Liste. Aber nachdem ich das Buch förmlich verschlungen hatte und mich die Bilder in ihren Bann gezogen hatten, wusste ich, genau das ist es. Dort MUSS ich hin und zwar schnell! Ich gab ihr Bescheid, dass ich sofort und jederzeit mit ihr aufbrechen würde.

Leider kam von ihr eine Absage, weil Australien am Ende gegen Chile gewonnen hatte. Sie versprach, das wir diese Reise nächstes Jahr machen würden. Da mich das Fieber bereits gepackt hatte und ein Chefwechsel auf Arbeit unmittelbar bevorstand, konnte ich kein Jahr mehr warten. Es musste jetzt sein; mit oder ohne jemanden als Begleitung!

Nach etwas mehr als einem Jahr nach meinem Entschluss, stand ich allein in Berlin auf dem Flughafen…

Meine Eltern und viele Freunde und Bekannte hatten gemischte Gefühle bis hin zur Angst. Damit alle immer wussten, dass alles in Ordnung war und ich Spaß hatte, ließ ich sie in Form eines Blogs an meiner Reise teilhaben. Da der Blog-Anbieter leider die Betreibung eingestellt hatte, hatte ich mich entschlossen, meine Berichte zu retten und zusätzlich mit Bildern und Kommentaren zu untermalen.

Ich wünsche allen viel Freude beim Lesen meiner kleinen und großen Abenteuer.

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